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MZ-Presse: "Zwei neue Aufgaben sowie die Familie locken"

16.03.2013 13:06 Alter: 5 Jahre
Kategorie: Hauptverein, Männer 1

Von: Julia Spors - Marbacher Zeitung

Eigentlich müsste Marc Ihlefeldt derzeit ziemlich gestresst aussehen, so viel wie der 28-Jährige um die Ohren hat. Doch als er am Montagabend in die Lama Bar nach Bietigheim kommt, wirkt er ausgesprochen ruhig. Sogar entspannt. Lässig lässt er sich auf einem der Barhocker nieder, bestellt sich einen Cappuccino und fängt dann an zu erzählen. Von seinen Wünschen, Plänen und bereits kürzlich realisierten Vorhaben – seinem neuen Weg eben. Einen Weg, den der Handballer bereits in den vergangenen Wochen und Monaten eingeschlagen hat, und den er nun ganz konsequent weiterverfolgen möchte. Ein Jobwechsel gehört da dazu. Seine Familie auch. Und eben das Ende seiner Handballkarriere. Es ist ein rigoroser Schnitt, den Marc Ihlefeldt da vorhat. Doch er freut sich auf sein neues Leben. Sein Leben als eigener Boss, Familienmensch und Manager des SKV.

„Mit dem Gedanken aufzuhören habe ich schon lange gespielt. In den vergangenen fünf bis sechs Jahren waren immer mal wieder Momente da, in denen ich aufstecken wollte“, sagt er mit Blick auf seine Handballkarriere, gibt jedoch zu: „Irgendeinen Ausgleich braucht man. Zudem haben mir der Handball und das Team immer sehr viel Spaß gemacht.“ Nun ist ihm der Aufwand aber wirklich zu viel. Nach neun Jahren im Trikot des SKV Oberstenfeld ist Schluss – nicht erst zum Saisonende, sondern bereits jetzt. „Für mich war klar: Ich mache das Spiel in Altenstadt und danach ist es vorbei. Denn das Spiel war entscheidend im Kampf um den Württembergliga-Klassenerhalt. Nun haben wir ihn so gut wie sicher, und deshalb kann ich mich zurücknehmen.“

Ganz raus aus dem Team ist er bis Saisonende aber nicht, auch wenn sich seine Worte so anhören. Fakt ist: Dreimal unter der Woche Training ist für Marc Ihlefeldt derzeit zeitlich nicht drin. „Ich werde nur noch einmal dabei sein, aber ob ich so dann spielen darf, ist die Entscheidung des Trainers“, erklärt er, nimmt einen Schluck von seinem Cappuccino und sagt dann: „Ich kann voll und ganz verstehen, wenn Ralf mich nicht aufstellt. Ich feuere das Team dann einfach von der Tribüne aus an – so wie es nächste Runde nach dem Abschied ganz geplant ist.“ Ralf Selcho war im Übrigen einer der wenigen, der bereits länger von den Plänen seines Linksaußen wusste. Einige Teamkameraden erfuhren erst unter der Woche von dem Entschluss, können ihn aber verstehen. Denn: „Ich bekomme derzeit nicht mehr als fünf oder sechs Stunden Schlaf, bin kaum mehr daheim und merke: Mir ist alles zu viel“, gibt der 28-Jährige zu. Der Grund ist aber erfreulich.

„Ich habe eine Firma gekauft“, sagt er und strahlt über das ganze Gesicht. Die Freude über den beruflichen Neuanfang ist dem Installateur- und Heizungsbaumeister deutlich anzusehen. „Ich wollte raus aus dem Angestelltenverhältnis und rein in die Selbstständigkeit“, erzählt er. Ab dem 1. April ist er nun sein eigener Chef. Ein Mitarbeiter ist bereits eingestellt, seine Frau soll in naher Zukunft auch noch einsteigen. „Ich hoffe, dass wir uns ein richtig kleines Familienunternehmen aufbauen können“, erzählt er von seinen Träumen. Direkt neben den Büroräumen in Asperg ist auch ein Wohnhaus. In dieses möchte der Mann, dessen Markenzeichen seine Glatze ist, mal mit Frau und Tocher Laila einziehen. Derzeit wohnt die kleine Familie noch in Bietigheim, sieht sich aber nur selten. Doch genau das soll sich ändern. Aus diesem Grund hat Marc Ihlefeldt bei seiner Firma in Steinheim gekündigt und renoviert seit vier Wochen die neuen Büroräume. Die eigenen wohlgemerkt. „Außerdem schreibe ich schon Angebote, versuche auf Kunden zuzugehen und arbeite mich in alles ein“, sagt er. Seit rund vier Wochen läuft die Firmenübernahme bereits, und in eben diesen vier Wochen ist Marc Ihlefeldt mehrfach an seine Grenzen gekommen – auch physisch. „Ich habe einen körperlich anstrengenden Job. Nach diesem dann abends im Training noch Höchstleistung zu bringen ist schwer“, erklärt er. Die Entscheidung, die Handballschuhe nun an den Nagel zu hängen, fiel dem Sportler deshalb leicht. „Ich gehe aber natürlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt er. Denn die neun Jahre im SKV-Dress haben Spuren hinterlassen. Mehr als bei jedem anderen Verein, in dem Marc Ihlefeldt war.

Die Erinnerungen lassen den sympathischen Sportler kurz melancholisch wirken. Er nippt an seiner Tasse, schaut sich in der Lama Bar um und sagt dann: „Vor vier Jahren bin ich nach Bietigheim gewechselt. Da wir hierhergezogen sind, dachte ich, das wäre passend. Aber ich habe mich da nicht wohlgefühlt.“ Nach der Saison wechselte er deshalb wieder nach Oberstenfeld, ist seitdem wieder glücklich. „Ich weiß, dass unsere Mannschaft nicht einfach ist. Wir hatten in den vergangenen Jahren viele Trainer, die nicht mit uns klargekommen sind. Wir sind launisch und jeder hat seinen eigenen Kopf. Aber untereinander sind wir ein Top-Team“, verrät der Sportler, der es besonders genießt, nach dem Training oder dem Spiel noch im Foyer zusammenzusitzen. „Ich bin meist einer der Letzten, der geht“, sagt er schmunzelnd, lacht kurz darauf los und meint dann: „Das Umfeld ist sehr familiär.“ Das war es nicht überall.

In Stammheim startete er bei den Minis, in der C-Jugend ging es dann nach Fellbach, kurz darauf nach Kornwestheim. „Dort habe ich meine ganze Jugend verbracht und war auch im Perspektivkader für die zweite Bundesliga“, berichtet er. Doch kurz bevor der Sprung gelang, kam Tochter Laila zur Welt. Vor neun Jahren war das. Was folgte, war der Wechsel nach Oberstenfeld – weg vom Profi-, hin zum Hobbyhandball. „Sportlich war das vielleicht die falsche Entscheidung, aber familiär genau die richtige“, sagt er heute und lächelt. Inzwischen spielt Tochter Laila selbst Handball. In der E-Jugend. „Zukünftig kann ich da nun öfters dabei sein“, sagt er, und die Freude darüber ist ihm ebenso wie zuvor beim neuen Job anzumerken. Dem SKV wird er aber dennoch nicht den Rücken kehren, denn auch hier hat Marc Ihlefeldt eine neue Aufgabe gefunden. Eine, die zu seinem Lebenswechsel passt.

Gemeinsam mit Werner Weresch wird er sich künftig um das Management der ersten Herrenmannschaft kümmern. Also neue Spieler suchen, verpflichten und betreuen. „Ich habe die Kontakte und freue mich sehr auf das neue Amt.“ Verhandlungen führt er bereits. „Es sieht gut aus. Wir sind an Neuzugängen dran“, verrät er, will mit konkreten Details aber noch warten. Klar ist nur, dass er auch Ersatz für sich suchen muss. Doch das sieht Ihlefeldt ganz entspannt. „Ich kann beruhigt aufhören“, sagt er und nimmt einen letzten Schluck von seinem Cappuccino.